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25
Mai
2010

Trangia Spirituskocher

Aus Beständen der schwedischen Armee

Nachdem ich die letzten knapp 10 Jahre beim Camping primär auf Gas gesetzt habe, wollte ich nun nicht wieder Gaskartuschen herumschleppen. Meine guten, alten Sachen von Campingaz habe ich fast vollständig verkauft. Mit dem VW-Bus unterwegs haben die Kartuschenkocher keinen Sinn mehr gemacht. Daher habe ich für die Touren mit dem Bus nur noch den großen Lagon Z mitsamt 5 kg Gasflasche behalten. Für eine Motorradtour in etwa so geeignet wie Flip-Flops und ein Fahrradhelm...

Nichts gegen die Ventilkartuschen von Campingaz. Auch den »Twister 270« habe ich positiv in Erinnerung. Aber: Die Kartusche nimmt den Platz weg, den man auch für andere Dinge hätte gebrauchen können.

Der Trangia aus Beständen der schwedischen Armee
Der Trangia aus Beständen der schwedischen Armee

Daher fiel meine Wahl nach einigem Suchen auf einen mit Spiritus betriebenen Kocher aus Schweden.

Das vom schwedischen Militär verwendete Set wurde von Trangia produziert. Für den eigentlichen Brenner gibt es noch immer das mutmaßlich einzige Ersatzteil zu kaufen: Den Dichtring im Brenner.



Einfach den Bügel herausnehmen...
Einfach den Bügel herausnehmen...
...und den Deckel abnehmen
...und den Deckel abnehmen


Wie das Kochgeschirr aus Beständen der schwedischen Armee zusammengesetzt ist, ist auf dem folgenden Bild zu sehen. Die Variante welche ich erhalten habe ist aus Aluminium mit dem klassischen Brenner von Trangia, welcher aus Messing gefertigt ist. Die Zustandsbeschreibung »gebraucht aber neuwertig« traf in jedem Fall auf die beiden Alugefäße zu. An der Oberfläche waren keinerlei Spuren vom Einsatz auf einem Brenner zu sehen. Der Brenner selbst zeigte jedoch einige Gebrauchsspuren und ein paar der kleinen Löcher am Rand waren verschlossen. Dieser kleine Makel ließ sich aber umgehend und problemlos mit einer Nadel beheben.

Das komplette Set des Trangia Miltärkochers
Das komplette Set des Trangia Miltärkochers

Der Lieferumfang des Trangia Spirituskochers aus Militärbeständen:


Der Aufbau des Kochers ist mit wenigen Handgriffen erledigt. Die folgenden vier Bilder genügen um den Ablauf darzustellen.

Windschutz und Brenner des Trangia
Windschutz und Brenner des Trangia
Windschutz mit hochgeklappten Bügeln
Windschutz mit hochgeklappten Bügeln


Im Windschutz befinden sich zwei Metallbügel. Auf diesen Bügeln können »Kochtopf« oder »Essnapf« aufgestellt werden. Der »Essnapf« ist so geformt, dass er als Deckel für den größeren »Kochtopf« dienen kann.

Wie beim »Meta 50« der schweizerischen Armee kann man versuchen, gleichzeitig beide Gefäße zum Kochen zu verwenden. Laut Beschreibungen im Internet ist jedoch einiges an Geduld notwendig.

Es sei einfacher, die Soße für seine Nudeln einfach nach den Nudeln zu kochen, wärend die Nudeln durch den Schlafsack geschützt noch »al dente« werden bzw. nicht auskühlen.

Aufgeschraubter Brenner im Windschutz
Aufgeschraubter Brenner im Windschutz
In den Windschutz eingesetzter »Essnapf«
In den Windschutz eingesetzter »Essnapf«


Der Brenner muss natürlich nicht von oben in den Windschutz gestellt werden.  Die Öffnung im Boden des Windschutzes ist so groß, dass man ihn über den angezündeten Brenner setzen kann.

Nachdem man den Brenner mit Spiritus gefüllt hat (maximal zu ¾ befüllen), wird er einfach mit einem Streichholz oder etwas Vergleichbarem entzündet.

Der »Napf« hat an seinem Stiel zwei ausklappbare D-Ringe, welche zur Befestigung eines improvisierten Griffs in Form eines Astes dienen können. Dies habe ich auch auf dem Bild oben nachgestellt. Es funktioniert ohne Probleme und erleichtert den Umgang dem Kit enorm.

Nicht mit Bildern dokumentiert ist die Variante mit dem größeren »Topf«. Dieser besitzt leider keinen Griff, dafür kann er am Henkel vom Brenner genommen werden. Ein zusätzlich befestigter Haken kann dazu verwendet werden, den Topf auch über einem Lagerfeuer aufzuhängen.

Nach der Vorstellung des Kits und der typischen Einsatzmöglichkeiten noch Packmaß: Etwa 18x11x17 cm (L B H) nimmt der Kocher in Anspruch. Die von mir erworbene Variante ist aus Aluminium. Es gibt auch noch eine Variante aus Stahl. Diese wird im Internet auch angeboten, allerdings deutlich teurer als das Set mit »Napf« und »Topf« aus Aluminium.

Prägung im Brenner: »HC 86«
Prägung im Brenner: »HC 86«

Wie alt ist eigentlich so ein gebrauchter Kocher aus Armeebeständen? Wenn es in Schweden so gehandhabt wird wie in Deutschland, sind die eingeprägten Zahlen das Herstellungsjahr. Wenn dies zutrifft, wurde mein Kocher aus mehreren »zusammengewürfelt«. Der Windschutz ist von 1967, »Napf« und Teller von 1962 und der Brenner ist aus dem Jahre 1986.



Prägung im Windschutz: »NC 67«
Prägung im Windschutz: »NC 67«
Prägung im »Essnapf«: »NC 62«
Prägung im »Essnapf«: »NC 62«


Während der Brenner stärkere Gebrauchsspuren aufweist und der Windschutz einige Kratzer abbekommen hat, schienen Alutopf und -napf bisher noch nie verwendet worden zu sein. Hier und da natürlich auch ein paar Kratzer, die könnten aber auch erst beim Umlagern und Konfektionieren bei den Händlern von gebrauchten Armeeausrüstungen entstanden sein.

DeeplinkDer Trangia im Einsatz

Ein paar Bilder wie man das Set ineinander stellen kann sind ja ganz nett. Jedoch wird wohl das Kit im tatsächlichen Einsatz viel interessanter sein und auch den einen oder anderen über Google (oder einen Forenbeitrag oder eine andere Suchmaschine) auf diese Seite hier geführt haben?

Nicht wundern das der Kocher offensichtlich innerhalb eines Hauses betrieben wurde. Draußen wäre es natürlich deutlich idyllischer gewesen, jedoch sieht man die Flamme des Brenners dort deutlich schlechter. Daher die Wahl für den sicherlich nicht üblichen Einsatzort des Trangia.

Der mit einem Grasbüschel entfachte Brenner
Der mit einem Grasbüschel entfachte Brenner
»Essnapf« im Windschutz auf dem Brenner
»Essnapf« im Windschutz auf dem Brenner


Das Anzünden mit einem handelsüblichen (Gas)Feuerzeug ist nicht direkt möglich. Ich habe mir mit einem Büschel trockener Grashalme ausgeholfen. Einfach das Gras neben dem Brenner entzündet und die Flamme in den Brenner gehalten. Schon ist der Spiritus entfacht. Mit etwas Geschick können auch sogenannte »Feuerstahl Anzünder« (beispielsweise von »light my fire«, ebenfalls aus Schweden) verwendet werden.

Nach etwa 4 Minuten: Das Wasser kocht
Nach etwa 4 Minuten: Das Wasser kocht
Na, das sieht doch ganz gut aus, oder?
Na, das sieht doch ganz gut aus, oder?


Etwa vier Minuten nachdem ich das Wasser im Alu »Essnapf« über den Brenner gestellt habe, begann es zu kochen. Natürlich ist ein solcher Test mit Wasser aus der Leitung, in einem geschlossenen Raum und somit bei Windstille und etwa 18 °C Raumtemperatur nicht für Ergebnisse unter freiem Himmel (oder in einem Zelt) aussagekräftig, aber eventuell hat es ja doch jemanden interessiert?

Ein weiterer Vorteil vom hier vorgestellten Set gegenüber den Gaskochern wie ich sie früher verwendet habe: Die Gaskocher haben häufig eine relativ geringe Auflagefläche. Je nachdem wie groß der Topf ist (oder uneben der Boden) kann es schon mal passieren, dass der Topf vom Gaskocher gerutscht ist. Beziehungsweise das man darauf achten musste, das eben dies nicht passiert.

Beim schwedischen Armeekocher entfällt diese Sorge, denn der Topf (oder Napf) sitzt fest im Windschutz und kann nicht einfach so vom Brenner herunterruschen.

Der Brenner bei Betriebstemperatur
Der Brenner bei Betriebstemperatur
Den Dichtungsring aus dem Deckel nehmen
Den Dichtungsring aus dem Deckel nehmen


Nimmt man den »Topf« oder »Napf« vom Brenner herunter, ragt die Flamme bis über den Windschutz hinaus. Es war noch genügend Spiritus im Brenner vorhanden, er hätte sicherlich noch einige Minuten weiter gebrannt.

Jedoch wollte ich ja nur heißes Wasser haben und nicht sämtlichen Spiritus verbrennen. Zum Löschen der Flamme kann der Deckel des Brenners verwendet werden. Natürlich ist vor dem Auflegen des Deckels der Dichtungsring zu entnehmen.

Einfach mit dem Deckel die Flammen ersticken
Einfach mit dem Deckel die Flammen ersticken

Den Deckel nicht aufschrauben, sondern einfach nur auflegen. Danach den Brenner einfach abkühlen lassen und derweil das Gekochte genießen.

Wird der Deckel aufgeschraubt während der Brenner noch heiß ist, könnte es im abgekühlten Zustand des Brenners ein größeres Problem werden den Deckel wieder abzubekommen.

Was vielleicht auch noch für manchen beim Einsatz in der Natur interessant sein könnte: Der Brenner bietet – im Gegensatz zu so manchem Gas- oder Benzinbrenner – so gut wie keine Geräuschentwicklung und die Flamme wird durch den Windschutz optimal abgeschirmt.

DeeplinkBeim Umgang mit dem Trangia zu beachten

Der Trangia hat nicht umsonst den Ruf einer der besten Kocher zu sein. Er ist einfach konstruiert, somit kann nicht viel kaputt gehen. Er wird mit Alkohol betrieben, dieser ist in den meisten Ländern aufzutreiben – im Gegensatz zu mancher Gaskartusche.

Dennoch sind beim Umgang mit dem Brenner ein paar Dinge zu beachten. Eine vermutlich unvollständige Zusammenstellung:


DeeplinkUnd was macht man mit heißem Wasser?

Für die Bilderserie hatte ich nun also Wasser zum Kochen gebracht. Was kann man damit anstellen? Nun, beispielsweise Nudeln kochen. Oder Tütensuppen zubereiten. Oder aber man verwendet es um den Grundstein von allem Camping zu genießen: Tee.

Einfach mal einen »Earl Grey« aufbrühen
Einfach mal einen »Earl Grey« aufbrühen
Mit einem alten Handschuh bleibt die Hand kühl
Mit einem alten Handschuh bleibt die Hand kühl


Unterwegs mit der YBR (Ulm, Hochsträß 25.05.2010)
Unterwegs mit der YBR (Ulm, Hochsträß 25.05.2010)

Was jetzt noch fehlt: Gutes Wetter so wie beispielsweise heute, ein Ziel vor Augen und eine entsprechend gepackte Gepäckrolle auf der YBR 125.

Den Earl Grey habe ich zumindest schon während des Schreibens dierser Zeilen vollständig genossen. Natürlich ohne Zucker und Milch – hätte ich beim Camping ja auch nicht mit dabei.



DeeplinkBezugsquelle für den Kocher

Gekauft bei: www.ranger-shop.de
Gekauft bei: www.ranger-shop.de

Ich habe den oben abgebildeten und beschriebenen Kocher online bei www.ranger-shop.de bezogen.

Anders als auf dem Aufkleber in den Bildern angegeben hat mich der Kocher jedoch keine knapp 15 Euro gekostet, sondern nur lediglich geringfügig weniger als 10 Euro.



Über den Autor dieses Beitrags
Avatar Martin »X_FISH« Schmidt
E-Mail: lqTyhDUyvpzMlMKIhYzEyoJS
Websites: www.x-fish.org www.gaskutsche.de
YBR-125-Besitzer von 05.2009 bis 07.2011
Führerschein seit 07.2011 (A), 08.2009 (A1), 10.1993 (B)
Aktuelle Maschine: '95 Yamaha XJ 600 S / '97 Suzuki GSF 1200
Weitere Informationen: Blog-Startseite
ICQ44570609

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