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09
Mai
2011

Gehörschutz

Ohrstöpsel damit der Schädel nicht brummt

Die eigene Erfahrung mit mehreren Helmen zeigt: Ein Helm kan mal lauter, mal leiser sein. In jedem Fall war allerdings keiner der Helme, welche ich bisher auf dem Zweirad getragen habe völlig geräuschfrei.

Was beim Roller mit 50 ccm und 45 km/h meistens noch keine Rolle spielt wird ab 60 km/h meistens deutlich: Windgeräusche. Ich hatte auf dem Honda CH 125 auch bei Tempo 100 keine großartigen Windgeräusche – dank dem riesigen Windschild des Rollers. Bei der nackten YBR 125 sah dies dann doch völlig anders aus: Zunehmen stärkere Geräusche ab ca. 80 km/h und ein penetrantes Pfeifen ab ca. 90 km/h mit dem HJC AC-11. Beim HJC IS-16 sind die Windgeräusche noch lauter.



Aearo EAR Classic
Aearo EAR Classic
Für Abhilfe sorgt ein Gehörschutz. Den umgangssprachlich auch als »Ohrstöpsel« bezeichneten Schutz gibt es in diversen Farben, Formen und Materialien.

Ich habe noch von früher gegen den Werkstattlärm einige »Aearo EAR Classic«-Gehörstöpsel. Diese verrichten auch wunderbar ihren Dienst im Ohr unter dem Motorradhelm.

Nur: Sind solche Ohrstöpsel überhaupt zulässig? Was sagt der Gesetzgeber dazu?

§23 StVO – Sonstige Pflichten des Fahrzeugführers

(1) Der Fahrzeugführer ist dafür verantwortlich, daß seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden. Er muß dafür sorgen, daß das Fahrzeug, der Zug, das Gespann sowie die Ladung und die Besetzung vorschriftsmäßig sind und daß die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs durch die Ladung oder die Besetzung nicht leidet. [...]
Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de

Man muss also stets dafür sorgen, dass das Gehör nicht beeinträchtigt wird. Allerdings zählen die Windgeräusche selbst auch schon zu einer Beeinträchtigung. Wer vor lauter Pfeifen und Dröhnen sonst nichts mehr wahrnimmt, ist definitiv beeinträchtigt.

Insbesondere da wissenschaftlich belegt ist, dass Lärm zu Stress führt und Stress wiederum zu aggressivem Verhalten sowie zum Nachlassen der Konzentration führen kann. Beide Punkte vertragen sich mit dem Führen von einem Zweirad nicht wirklich gut.

Andererseits könnte man den §23 StVO auch so auslegen, dass ein Gehörschutz die Wahrnehmung beeinträchtigt und man daher eine Ordnungswidrigkeit begeht? Zum Glück gibt es ein paar Institutionen, welche sich mit der Thematik befassen und gerade für die Zweiradfahrer Partei ergreifen.

Das Institut für Zweiradsicherheit[1] (ifz) stellt beispielsweise eine Liste des BGIA[2] zum Download zur Verfügung. Diese »Positivliste für den Straßenverkehr«[3] richtet sich allerdings primär an LKW-Fahrer und nicht an Motorradfahrer. Eine mit 2006 datierte Liste existiert ebenfalls, dort ist der Vermerk über die Zielgruppe nicht vorhanden.

Die von mir verwendeten Ohrstöpsel sind mit dem Vermerk »S, V, W« in der Liste enthalten. Die Kürzel stehen für:

S/V = Signalhören im Gleisoberbau/Straßenverkehr möglich
W = Kriterien »Warnsignalhören allgemein«, »informationshaltige Geräusche« und »Sprachverständlichkeit« erfüllt

Demnach sollten sie eigentlich kein Problem im Straßenverkehr darstellen. In jedem Fall stellen sie meiner Meinung eine Verbesserung der Sicherheit her. Wenn ich 200–400 km zurückgelegt habe dröhnt mir jedenfalls nicht (mehr) der Schädel und ich bin konzentriert bis zum Schluss dabei.

Was ich in jedem Fall bestätigen kann: Hupen und Martinshörner kann ich weiterhin sehr gut hören. Eventuell sogar besser als ohne Stöpsel, da ich die in einem anderen Frequenzbereich liegenden Störgeräusche vom Fahrtwind nicht so stark wahrnehme.

Bevor ich noch zwei weitere Varianten vorstelle zunächst daher ein Blick auf die von mir verwendeten und für gut befundenen Ohrstöpsel von Aearo (3M).

Aearo EAR Classic
Aearo EAR Classic
Anwendung der Aearo EAR Classic
Anwendung der Aearo EAR Classic


Bei den Ohrstöpseln handelt es sich um formbare Schaumstoffstücke, welche zwischen Daumen und Zeigefinger fest zusammengerollt werden. Anschließend können sie tief in den Gehörgang eingeführt werden. Nach dem Einführen muss man für einige Sekunden mit dem Finger den Ohrstöpsel fixieren bis er sich wieder soweit ausgedehnt hat das er fest sitzt. Unterlässt man diesen Schritt kann es passieren, dass sie sich beim Ausdehnen selbst aus dem Gehörgang schieben und womöglich später ganz herausrutschen.

Die Bedienung ist einfach, sie können auch mehrfach verwendet werden. Unterwegs habe ich daher immer die kleine Pappschachtel mit dabei in welcher zwei Ohrstöpsel Platz finden. So kann ich sie beispielsweise bei einer Rast herausnehmen und sauber und sicher in der Jackentasche verstauen.

Eigentlich handelt es sich bei den Ohrstöpseln um einen Einweg-Gehörschutz. Aber sie lassen sich auch problemlos mit Wasser und Seife reinigen und mehrfach verwenden. Wer sie nicht gerade mit Öl- oder Kraftstoffverschmierten Fingern anfässt, kommt auf einer Tagestour ganz sicher mit einem Paar der Ohrenstöpsel aus. Falls doch mehr benötigt werden sollten wird man auch nicht arm. Fünf Paar in einer Pappschachtel kosten etwa 1 Euro. Wer für jeden sonnigen Tag im Jahr lieber zwei frische Paar verwenden will kann sich auch den Vorratspack mit 500 Paar für ca. 70 Euro bestellen.

Die Alternative zu den eigentlich nur für den einmaligen Gebrauch gedachten Ohrstöpseln sind Gehörschützer für den mehrfachen gebrauch. Diese lssen sich mit Wasser und Seife in jedem Fall reinigen, da sie aus entsprechend haltbarem Kunststoff bestehen. Ein Beispiel für solche Ohrstöpsel habe ich ebenfalls von Aearo »EAR Ultratech«:

Befestigung der Knöpfe an der Rückseite
Aearo EAR Ultratech
Difi Textilhose mit Hosenträgern
Aearo EAR Ultratech
Ich habe die mehrfach verwendbaren Gehörschützer vor etlichen Jahren gekauft als ich drei Mal pro Woche im Proberaum neben den Becken des Schlagzeugs stehen musste. Ich höre noch immer gut, die Ohrstöpsel haben sich also bewährt.

Die Lamellen lassen sich einfach mit Wasser und Seife reinigen, die Geräuschdämmung bleibt erhalten. Der Preis für ein solches Set mit praktischer Dose zur Aufbewahrung schwankt zwischen 10 und 27 Euro... Je nachdem bei welcher Apotheke man anfragt (eher günstiger) oder ob man sie in einem Geschäft für Musikinstrumente entdeckt...

Inzwischen gibt es eine ähnliche Variante auch in einer transparenten Ausführung, diese fällt dann weniger auf. Beim ursprünglichen Einsatzzweck in der Industrie sind auffällige Farben gewünscht – beispielsweise in der Lebensmittelindustrie... Warum liegt auf der Hand. Wobei die Farbe unter dem Helm keine Rolle spielen sollte.

Allerdings sind die Stöpsel beim Absetzen nicht unbedingt angenehm, schließlich kann man mit dem Polster hängen bleiben und drückt sich so unbeabsichtigt die Stöpsel tiefer in den Gehörgang.

Empfohlen werden übrigens sogenannte Otoplastiken. Dies sind individuell für den Träger angefertigte Einsätze, welche von einem Hörgeräteakustiker hergestellt werden. Sie sind deutlich teurer (Preise zwischen 50 und 150 Euro werden im Internet von Besitzern genannt) als die oben genannten einfachen Varianten für den Gehörschutz.

Neben den relativ hohen Kosten für den Anschaffungspreis müssen sie auch nach ein paar Jahren auf ihre Funktion überprüft werden. Da sich der Gehörgang eventuell verändert hat, passen sie unter Umständen nicht mehr 100%ig.

Von manchen Besitzern wurde auch geschrieben, dass sie wieder zu den günstigen Alternativen gewechselt sind, da ihnen ein neues Set Otoplastiken zu teuer war und sie subjektiv genauso gut funktionieren.

Abschließend noch Zitate aus einem Beitrag, welchen der ADAC im öffentlich zugänglichen Bereich auf seiner Website zum Lesen bereithält:

[...] Eine neue Untersuchung der niederländischen Motorradpolizei hat gar gezeigt, dass bei einem „normalen“ Motorradhelm schon 90 Sekunden bei Tempo 160 genügen können, um bleibende Schäden zu verursachen. [...]

[...] Einem mittleren Schalldruckpegel von rund 84 dB(A) bei 100 km/h des leisesten Helms im Test standen schon 92 dB(A) beim zweiten und gar fast 95 dB(A) beim lautesten Helm entgegen. Übrigens: Schon drei dB (A) werden als Lärmverdopplung empfunden. [...]

[...] hohe Schalldruck-Belastungen über längere Zeit führen aber unausweichlich zu akuten Gehörstörungen bis zu Schwerhörigkeit, Tinnitus oder sogar Taubheit. Langzeitstudien der TU Hannover mit Motorradfahrern haben dies längst eindrucksvoll bewiesen.

Werte aus dem gewerblichen Lärmschutz machen das Problem deutlich. Zonen mit Schalldruckpegeln über 85 dB(A) gelten als Lärmbereiche, für Arbeiten muss Gehörschutz zur Verfügung gestellt werden. Bei Pegeln über 90 dB(A) muss gar zwingend Gehörschutz getragen werden. 85 dB(A) gilt als Bezugsschalldruckpegel, nur bei dem darf acht Stunden gearbeitet werden. Mit steigender Lärmbelastung reduziert sich die Arbeitszeit. [...]
Quelle: www.adac.de - Gehörschutz für Motorradfahrer

Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen ob er mit Gehörschutz fährt oder ob ihm das zu uncool vorkommt. Ich hänge irgendwie an meinem Hörvermögen – schließlich habe ich auch nur rechts und links ein Ohr.
Über den Autor dieses Beitrags
Avatar Martin »X_FISH« Schmidt
E-Mail: lqTyhDUyvpzMlMKIhYzEyoJS
Websites: www.x-fish.org www.gaskutsche.de
YBR-125-Besitzer von 05.2009 bis 07.2011
Führerschein seit 07.2011 (A), 08.2009 (A1), 10.1993 (B)
Aktuelle Maschine: '95 Yamaha XJ 600 S / '97 Suzuki GSF 1200
Weitere Informationen: Blog-Startseite
ICQ44570609


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