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08
September
2010

Batterie laden

Grundwissen und Ausbau bei der YBR

Eigentlich ist es ein simpler Punkt auf der Checkliste der Wartungsarbeiten: Die Batterie nach dem Winter neu laden beziehungsweise den Säurestand überprüfen.

In den Foren wird jedoch regelmäßig zum Frühjahr nachgefragt, was man denn beim Laden beachten muss und im Herbst häufen sich die Fragen nach »Erhaltungsladungen«, »Batteriekonditionieren« und ob man die Batterie nach dem Abklemmen über den Winter besser ausbaut oder im Motorrad in der kalten Garage lässt.

Da ich gestern beim Anschließen der Kabel für den H4-Scheinwerfer mit Relaisschaltung bemerkt habe, dass der Säurestand etwas niedrig ist, habe ich die Batterie heute mit destilliertem Wasser aufgefüllt und anschließend ans Ladegerät gehängt.

Da meine YBR 125 die letzten Wochen nicht bewegt wurde war die Batterie ohnehin etwas entladen. Der Anlasser tat sich inzwischen mal wieder etwas schwer. Das liegt aber vermutlich auch daran, dass die Batterie inzwischen schon über 5 Jahre alt ist.

Deeplink Unterschiedliche Batteriearten

Die günstigste Batterie in Kraftfahrzeugen ist und bleibt der gute, alte Bleiakku. Sein vollständiger Name lautet »Bleiakkumulator« oder »Blei-Säure-Batterie«.

Blei-Säure-Batterie der YBR 125 (Typ CB5L-B)
Blei-Säure-Batterie der YBR 125 (Typ CB5L-B)
Ein solcher Bleiakku (Typ »CB5L-B«) ist auch ab Werk bei der Yamaha YBR 125 und anderen Leichtkrafträdern verbaut. Sie müssen dort nicht viele Entlade-/Ladezyklen durchlaufen sondern dienen wie in anderen Kraftfahrzeugen als Starterbatterie.

»Gut und alt« soll dabei nicht etwa abwertend klingen oder so verstanden werden.

Der Bleiakku ist einfach zu warten, kostengünstig und weist abgesehen von seinem hohen Gewicht und der relativ niedrigen Energiedichte keine gravierenden Nachteile auf.

Für Motorräder werden auch VRLA-Batterien angeboten. Die VRLA-Akkus (Valve Regulated Lead Acid Battery) leiten das erzeugte Gemisch aus Wasserstoff und Sauerstoff zur Kathode, wo es aufgrund von in den Platten eingelagerten Katalysatorstoffen wieder zu Wasser rekombiniert. In diesem geschlossenen System ist ein Kontrollieren oder Nachfüllen der Batteriesäure ist nicht mehr notwendig, da im normalen Betrieb kein Wasser verloren gehen kann. Im Falle einer Überladung würde jedoch der Innendruck ansteigen, was zu einer Explosion der Batterie führen könnte. Daher sind VRLA-Batterien mit einem Überdruckventil ausgestattet.

Bei VRLA-Batterien gibt es zwei Bauformen: Jene mit Vlies und jene mit Gel.

Als »wartungsfreie Vlies-Batterie« werden AGM-Batterien (Absorbent Glass Mat) mit einem Glasfaservlies angeboten. Im Handel sind auch Bezeichnungen wie »Vliesbatterie« oder »Vliesakku« anzutreffen. Gerade bei Motorrädern sind im Zubehörhandel diese Batterien mit Werbeversprechen wie etwa »eine deutliche Verbesserung zu Ihrer alten Batterie« angepriesen. In ihrer Leistung sind sie den klassischen Bleiakkus gleichauf, nur wenige können mit wirklich besseren Leistungswerten aufwarten. Der größte Vorteil liegt darin, dass der Säurestand nicht mehr überprüft werden muss. Die Säure ist durch das Glasfaservlies vollständig aufgesogen, daher existiert kein messbarer Säurestand im Akku.

Als »Bleigel-Akkumulatoren« werden ebenfalls geschlossene Batterien, also als zweite Variante der VRLA-Batterien angeboten. Diese sind als Starterbatterien ungeeignet, da sie durch ihren höheren Innenwiderstand weniger geeignet sind hohe Ströme zu liefern. Ihre Stärken liegen in anderen Bereichen, etwa der Tiefenentladungssicherheit sowie der hohen internen Kurzschlusssicherheit. Sie werden als Versorgungsakku, beispielsweise in Wohnmobilen für die dort befindlichen Verbraucher verwendet. Sie kommen auch im maritimen Bereich und bei Stromversorgungen (USV) zum Einsatz.

Somit stehen drei unterschiedliche Bauformen bei Motorrädern zur Auswahl:
Da Vliesbatterien deutlich teurer sind, wird verständlich wieso Hersteller lieber auf Blei-Säure-Batterien als Erstausrüster zurückgreifen. Rechnet man die Ersparnis auf Stückzahlen von mehreren Tausend um, wird das Sparpotenzial deutlich.

Deeplink Wenn 12,65 Volt voll sind – wann ist sie dann leer?

Der Mensch ist gewohnt so zu denken wie er es von anderen Situationen her kennt. Wenn ein Tank mit 12,65 Litern Benzin »voll« ist, dann ist er mit 6,325 Litern »halb leer« und wenn nichts mehr im Tank ist, ist er »ganz leer«.

Bei einer Batterie sieht dies etwas anders aus. Ausgehend von einer Blei-Säure-Batterie (dem oben genannten Bleiakku) ist der Füllzustand »voll« bei etwa 12,65 Volt erreicht. Halbvoll ist die Batterie, wenn 12,24 Volt gemessen werden können, leer ist die Batterie bei 11,89 Volt oder weniger.

Quelle: www.batteryuniversity.com

So gibt es immer wieder verdutzte Gesichter wenn die Batterie noch »um die 12 Volt hat« aber »der Anlasser keinen Mucks mehr von sich gibt«.

Deeplink Warum die Batterie zum Laden überhaupt ausbauen

Warum sollte man überhaupt eine Batterie ausbauen wenn man sie laden will? Zunächst sollte man vor dem Laden ohnehin den Säurestand überprüfen. Bei einer eingebauten Batterie ist dies teilweise schwierig oder gar nicht möglich. Weiterhin sollen beim Ladevorgang bei einer nicht wartungsfreien Batterie die Abdeckungen geöffnet werden.

Beim Ladevorgang entsteht Wasserstoff, zusätzlich verdunstet durch die Wärmeentwicklung Wasser. Der Vorgang wird umgangssprachlich als »die Batterie gast« bezeichnet. Das beim Ladevorgang entstehende Gas muss abgeführt werden, das Öffnen der Deckel erleichtert dies.

Während dem normalen Betrieb im Fahrzeug wird das auch dann eventuell entstehende Gas über die Entlüftung der Batterie abgeleitet und in der Regel über einen Schlauch (weiter unten ein Bild über die Lösung bei der YBR 125) unter dem Fahrzeug direkt an die Umwelt abgegeben. Da Wasserstoff leichter als Luft ist, verflüchtigt es sich schnell und sammelt sich auch nicht am Boden oder in Wannen.

Beim normalen Fahrbetrieb ist jedoch der Ladestrom in der Regel deutlich geringer als jener an einem Ladegerät für Batterien. Daher ist die Wärmeentwicklung deutlich geringer und es entsteht im Normalfall auch weniger Wasserstoff.

Wird beim Laden die Ladeschlussspannung von 13,8 Volt überschritten, beginnt der Akku stärker »zu gasen«. Ursachen für eine zu hohe Ladespannung können ein defekter Laderegler oder ein schlechtes/defektes Ladegerät sein.

Bei einem Bleiakku kann in diesem Fall der Verlust von Wasser wieder ausgeglichen werden, bei den sogenannten »wartungsfreien Akkus« führt ein Überladen zum Zerstören des Akkus.

Wird auf ein sogenanntes »Erhaltungsladegerät« mit sehr geringem Ladestrom (beispielsweise 600 mA) zurückgegriffen wird die Batterie bei weitem nicht so warm wie bei einem Ladegerät mit mehr Leistung.

Deeplink Ausbauen der Batterie an einer YBR 125

Im Vergleich zu vielen PKW und Motorrädern ist der Ausbau der Batterie an einer YBR 125 sehr einfach. Seitenverkleidung abnehmen, Masse und Plus von der Batterie trennen, Entlüftung abziehen, Gummihalterung entfernen und schon ist die Batterie ausgebaut.

Zeitaufwand: Vermutlich weniger als eine Minute. Keine Platzierung unter der Sitzbank oder gar dem Tank wie bei manchem anderen Zweirad.

Originales Scheinwerfer-Relais
Erster Schritt: Masse vom Batteriepol lösen.
Warum soll man die Verbindung zur Masse eigentlich als ersten Schritt trennen? Wieso nicht beim Pluspol der Batterie beginnen?

Die Antwort ist sehr einfach: Kommt man mit dem Werkzeug versehentlich an den Rahmen oder beim PKW an ein Karosserieteil entsteht zwischen dieser Masse und dem Pluspol ein Kurzschluss.

Geschieht das selbe Missgeschick wenn man die Verbindung zur Masse an der Batterie löst, passiert nichts. Masse auf Masse bleibt Masse.

Im Prinzip spielt es keine Rolle welcher der beiden Batteriepole zuerst vom Fahrzeugstromkreis getrennt wird – solange das Werkzeug keine Masse­verbindung herstellt. Daher ist der sicherste Weg schlicht und ergreifend immer mit Masse zu beginnen. Außer beim Anschließen der Batterie, dort gilt aus dem gleichen Grunde der umgekehrte Weg: Erst den Pluspol anschließen, dann Masse.

Entlüftung der Blei-Säure-Batterie
Entlüftung der Blei-Säure-Batterie
Rechts neben dem Pluspol der Batterie befindet sich der Anschluss für die Entlüftung der Blei-Säure Batterie. Der Schlauch ist einfach aufgesteckt, er kann ohne zusätzliches Werkzeug abgezogen werden.

Wozu die Entlüftung benötigt wird ist weiter oben auf dieser Seite erklärt.

Die Batterie der YBR 125 wird einfach durch einen Gummiriemen im Batterie­kasten fixiert. An den Riemenenden befinden sich je eine Metallöse, welche am Batteriekasten eingehängt werden.

Riemen mit einer Metallöse
Riemen mit einer Metallöse
Batterie nachdem der Riemen abgenommen wurde
Batterie nachdem der Riemen abgenommen wurde


Ausgebaute Batterie Typ CB5L-B
Ausgebaute Batterie Typ CB5L-B
Nachdem der Riemen an beiden Seiten ausgehängt wurde, kann er vollständig abgenommen werden. Die Batterie fällt normalerweise nicht gleich heraus, erst recht nicht wenn die Maschine auf dem Hauptständer stehen sollte.

Es ist keine weitere Befestigung vorhanden, die Batterie kann nun herausgenommen werden.

Deeplink Laden der Blei-Säure-Batterie

Der Ladevorgang an einem Ladegerät ist in der Regel problemlos. Inzwischen sind geregelte Ladegeräte günstig erhältlich. Da es sich bei der Motorradbatterie um eine herkömmliche Blei-Säure-Batterie handelt, kann auch ein älteres Ladegerät verwendet werden.

Für Bleigel- oder Vliesbatterien muss aufgrund der anderen Ladekennlinie ein Ladegerät verwendet werden, welches auf die entsprechende Ladekennlinie eingestellt werden kann.

Wichtig: Der der folgende Schritt mit dem überprüfen des Säurestands betrifft nur klasische Blei-Säure-Batterien. Wer seine VRLA-Batterie (Vlies oder Gel) öffnet, zerstört sie dadurch.

Rot: Die Abdeckung der einzelnen Zellen
Rot: Die Abdeckung der einzelnen Zellen
Vor dem Laden muss der Säurestand der Batterie überprüft werden. Die kleine Batterie in der YBR 125 hat ein Säurevolumen von etwa 0,3-0,4 Liter, bei zu niedrigem Stand wird mit destilliertem Wasser aufgefüllt.

Aufgrund der geringen Füllmenge ist darauf zu achten, dass man nicht versehentlich zu viel einfüllt.

Nach dem Entfernen der Abdeckung der einzelnen Zellen (auf dem Bild rot zu erkennen) kann sofern notwendig Flüssigkeit nachgefüllt werden. Da die Öffnungen sehr klein sind kann man sich mit einer Einwegspritze oder einem kleinen Trichter behelfen. Alle greifbaren Trichter waren bei mir zu groß, daher hat ein wenig Klebeband den Durchmesser einfach passend verringert:

Kleinster verfügbarer Trichter
Kleinster verfügbarer Trichter
Durchmesser mit Klebeband verringert
Durchmesser mit Klebeband verringert


Selbst wenn der Säurestand in Ordnung ist sollten zum Laden die Zellen geöffnet werden, der Grund dafür ist weiter oben auf dieser Seite nachzulesen.

Zum Laden angeschlossene Batterie
Zum Laden angeschlossene Batterie
Der Ladevorgang kann beginnen. Vor dem Einschalten des Ladegeräts sind die Pole mit dem dazugehörigen Anschluss des Ladegeräts zu verbinden.

Warum nicht schon das Ladegerät einschalten? Wird es zuerst ein­geschaltet, können beim Anschließen der Klemmen Funken entstehen.

Im ungünstigsten Fall kann dabei das vorhandene Knallgas (Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch) entzündet werden. Bekannten von mir ist dies bei einem PKW in einer Tiefgarage passiert, die Batterie wurde dabei zerrissen. Neben der Batteriesäure im Motorraum und auf der Kleidung mussten beide Aufgrund des Verdachts von gerissenen Trommelfellen in ihren Ohren in die Klinik. Daher einfach jegliches unnötige Risiko vermeiden.

Altes Ladegerät für Blei-Säure-Batterien
Altes Ladegerät für Blei-Säure-Batterien
Das schon etwas betagte Ladegerät (etwa 20 Jahre alt) für Blei-Säure-Batterien hat einen maximalen Ladestrom von 10 Ampère.

Es regelt sich selbständig und hatte nur in den ersten Minuten einen Ladestrom von knapp unter 2 Ampère. Danach sank der Ladestrom auf etwa 1 Ampère und tiefer ab.

Als Faustregel gilt das der Ladestrom »maximal 10% der Nennleistung« betragen darf. Dies gilt jedoch nicht für gepulste Ladegeräte.

Das Ladegerät arbeitet mit einer sogenannten W- oder UI-Kennlinie. Beim Normalladen wird die W-Kennlinie verwendet.

Bei diesem kombinierten Ladeverfahren sinkt der Strom mit zunehmender Ladespannung konstant ab. Durch die automatische Abschaltung sobald die Ladesschlusspannung erreicht ist, wird die Batterie geschont.

Aufgrund der geringen Ladung von 5 Ah ist die kleine Motorradbatterie binnen weniger Stunden geladen.

Abschließend noch eine Antwort auf die Frage wie man seine Batterie gut »überwintern« lassen kann: Einfach nach dem Ausbauen voll laden und in einem nicht allzu kalten Raum (mindestens 15°C) einlagern. Dann müsste sie auch nach 6 Monaten noch etwa 80% ihrer Leistung haben. Je kühler die Umgebungs­temperatur, desto mehr Leistung verliert die Batterie. In einer unbeheizten da freistehenden Garage mit Frost sollte die Batterie vor Inbetriebnahme des Motorrads zunächst wieder an einem Ladegerät vollständig geladen werden.

Als Alternative dazu bleibt natürlich noch das Erhaltungsladegerät. Ob sich die Anschaffung und der Betrieb eines solchen Ladegeräts für die kleine Batterie einer 125er lohnt muss jeder selbst entscheiden.

Über den Autor dieses Beitrags
Avatar Martin »X_FISH« Schmidt
E-Mail: lqTyhDUyvpzMlMKIhYzEyoJS
Websites: www.x-fish.org www.gaskutsche.de
YBR-125-Besitzer von 05.2009 bis 07.2011
Führerschein seit 07.2011 (A), 08.2009 (A1), 10.1993 (B)
Aktuelle Maschine: '95 Yamaha XJ 600 S / '97 Suzuki GSF 1200
Weitere Informationen: Blog-Startseite
ICQ44570609

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