19
Januar
2010
Stahlflex für die YBR 125
Neue, bessere Bremsleitung angekommen
Eigentlich wäre sie ja schon gestern angekommen, aber da
sie per Nachnahme verschickt wurde und ich nicht die 58,31
Euro parat hatte, wurde das Paket eben heute noch einmal
zugestellt.
Stahlflex von Fischer Hydraulik
Der Inhalt des Pakets: Sowohl die neue Bremsleitung für
meine YBR 125 wie auch das Muster, welches ich zur
Anfertigung der Bremsleitung beigefügt habe.
Falls irgendwer eine gebrauchte und geprüfte Bremsleitung
einer 2005er YBR 125 brauchen sollte: Ich hätte eine für 15
Euro inkl. Verpackung und Versand abzugeben.
Die neue Stahlflexleitung wurde von der Firma
Fischer-Hydraulik GmbH mit Sitz in Schramberg
hergestellt. Bis zur Montage werden noch ein paar Monate
vergehen, derzeit habe ich hier keinen (warmen) Platz um an
der YBR irgendwelche Veränderungen vornehmen zu können.
Dennoch bereits jetzt ein paar Zeilen zur Bremsleitung.
Zunächst einmal was für die Anschaffung einer Bremsleitung
aus Stahlflex mit Innenleben mit Teflonbeschichtung spricht.
DeeplinkVorteile von Stahlflex
Die meisten kennen die Leitungen von »großen
Motorrädern« und/oder PKWs. Spätestens jedoch wenn es in den
Bereich des Motorsports geht, kommt niemand mehr an
Stahlflexbremsleitungen vorbei.
Druckpunkt verbessert sich
Der am häufigsten genannte Vorteil ist, dass die
Bremsleitungen aus Gummi (wie sie bei vielen Motorrädern und
PKW ab Werk verbaut werden) keinen exakten Druckpunkt
besitzen. Mit Druckpunkt wird das Verhalten bezeichnet, ab
wann die Bremswirkung spürbar wird beziehungsweise
einsetzt.
Bei Gummileitungen wird der durch das Betätigen der Bremse
aufgebaute Druck nicht nur an die Bremse beziehungsweise
den/die Bremskolben weitergegeben, sondern auch die Leitung
dehnt sich unter dem Druck aus. Das Resultat ist, dass der
Druckpunkt »schwammig«, eben ungenau wirkt.
Durch die Ummantelung mit dem Stahlflexgewebe wird ein
Ausdehnen der Leitung unterbunden, der Druckpunkt ist klarer
spürbar.
Materialermüdung
Der zweitgenannte Punkt ist der für mich relevante:
Keine Alterung des Materials. Während Bremsleitungen aus
Gummi je nach Hersteller nach zwischen 3 und 5 Jahren
ausgetauscht und nicht mehr nur überprüft werden sollen,
können Stahlflexleitungen ein »Fahrzeugleben« oder noch
länger halten. Grund für die Vorgabe des Wechsels ist die bei
Gummileitungen unvermeidliche Materialermüdung durch
Umwelteinflüsse, Belastung sowie dem permanent vorhandenen
Schwinden von Weichmachern.
Stellvertretend für andere Gummileitungen muss ich an die
Leitungen für das Wischwasser in meinem VW Bus denken. Nach
vierzehn Jahren fiel das Wischwasser plötzlich aus. Es kam
nicht mehr durch die Düsen heraus, sondern lief innen in den
Motorraum. Die Ursache: Die früher einmal flexiblen
Gummianschlüsse konnte man zwischen zwei Fingern
zusammendrücken und zerbröseln als wären sie aus altem
Käse.
Mir ist natürlich bekannt, dass viele die Gummileitung weit
über vier Jahre an ihrem Motorrad ohne einen Wechsel
belassen. Ob nach den empfohlenen vier Jahren ein Wechsel
bereits notwendig ist, wird von vielen verneint. Bei einem
dermaßen sicherheitsrelevanten Bauteil will ich jedoch keine
Kompromisse eingehen. Mal abgesehen davon gehe ich davon aus,
dass bei einem Kundendienst die Leitung ohnehin gewechselt
worden wäre, mir die Kosten daher ohnehin entstanden wären.
Bremsflüssigkeit zieht weniger Wasser
Ein weiterer Aspekt welcher für die Stahlflexleitungen
spricht ist, dass die Bremsflüssigkeit weniger Wasser ziehen
kann, da die Leitungen mit Teflonseele (also der dünnen, mit
Teflon beschichteten, die Bremsflüssigkeit führenden Leitung
innerhalb der Stahlflexleitung) ein geschlosseneres System
darstellen. Jedoch halte ich diesen Punkt für
vernachlässigungswürdig, da zumindest bei mir jedes Frühjahr
die Bremsflüssigkeit gewechselt wird.
DeeplinkNachteile von Stahlflex
Kosten für die Eintragung oder ABE mitführen
Meine YBR 125 von 2005 ist einfach noch »zu neu« für
Stahlflexbremsleitungen mit ABE. Daher muss die Bremsleitung
in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden.
Häufig ist in Foren zu lesen, man müsse Stahlflexleitungen
nicht eintragen lassen. Dies ist teilweise richtig. Bei
Leitungen, für welche eine ABE (allgemeine Betriebserlaubis)
besteht, stimmt diese Aussage. In diesem Fall ist die ABE
mitzuführen (insbesondere wenn man sie zur Hauptuntersuchung
vorführt) und die Sache ist erledigt.
Im Falle von einem beigefügten Teilegutachten muss die
Stahlflexleitung durch TÜV, GTÜ, Dekra, KÜS oder wem auch
immer dies in Deutschland erlaubt ist und man in seiner Nähe
hat in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden. Dies ist
natürlich mit weiteren Kosten verbunden.
Jedoch gilt wie immer: Erst nachfragen und nachrechnen, dann
bestellen. Im Falle des von mir gewählten Angebots kommt die
Stahlflexleitung trotz notwendiger Eintragung (weiter unten
im Text dazu mehr) günstiger, als eine originale Gummileitung
von Yamaha. Eben diese originale Gummileitung, welche nach
vier Jahren erneut getauscht werden muss, kostet rund 70 Euro
in Deutschland.
Für knapp 58 Euro habe ich inklusive Versandkosten die
Stahlflexleitung erhalten. Rechne ich darauf die rund 10
Euro, welche ich beim TÜV als mutmaßliche Kosten telefonisch
erfahren habe, bin ich bei 68 Euro. Somit liege ich noch
immer gleichauf mit den Kosten für die Gummileitung, habe
dafür aber eine Stahlflexbremsleitung an meiner YBR
125.
Nachdem ich die Bestellung für die Stahlflexleitung im
Dezember 2009 abgeschickt hatte, bin ich durch Zufall auf das
Angebot einer Leitung mit ABE gestoßen. Kosten für die
Leitung mit ABE: Rund 90 Euro. Ob sich im Lieferumfang auch
ein Befestigungssatz befunden hätte? Ich bin überfragt. Dann
doch lieber selbst passend einbauen, danach eintragen lassen
und gut.
Zumindest finde ich es einfacher, alle Eintragungen im Schein
zu haben anstatt noch irgendwelche ABE mitführen, oder
womöglich nach einer Kontrolle schnellstmöglich nachreichen
zu müssen.
Verlegen der Bremsleitung
Die Stahlflexleitungen haben in der Regel einen
geringeren Durchmesser als die original ab Werk verbauten
Gummileitungen. Daher passen die Halterungen häufig nicht
mehr.
Es sind entweder Distanzstücke aus Gummi um die
Stahlflexleitung zu legen oder aber die Stahlflexleitung muss
direkt mit einem Gummiüberzug bestellt werden. Jedoch ist die
Leitung auch dann häufig noch dünner als die originale
Gummileitung.
Gabel der YBR 125 mit originaler Bremsleitung
Um an der YBR 125 die »kritischen Stellen« der
Befestigung beziehungs Leitungsführung aufzuzeigen, habe ich
vier Bilder meiner YBR von 2005 geschossen.
Zunächst einmal die komplette Bremsleitung vom
Ausgleichsbehälter bis zum Bremssattel.
Anschluss der Bremsleitung am Ausgleichsbehälter
Am Ausgleichsbehälter wird die Bremsleitung mittels der
Hohlschraube befestigt. Im Falle der von mir erworbenen
Stahlflexleitung kann ich die Schraube weiterverwenden.
Die Leitung verläuft hinter dem Tacho und dem Scheinwerfer
zum rechten Gabelbein.
Hinter dem Tacho ist die Bremsleitung mit einem Gummischlauch
überzogen. Ich werde vor der Montage im Frühjahr (zu welcher
es einen eigenen Eintrag im Blog geben wird) mir genau
anschauen ob die Leitung dort irgendwo irgendwie schaben kann
oder nicht.
Halterung der Bremsleitung (etwa mittig)
Am rechten Gabelbein befindet sich eine der beiden
Befestigungen der Bremsleitung. Damit die Leitung nicht frei
hängt und beim Ein- und Ausfedern rutschen und schaben kann,
ist sie an diesem Punkt befestigt.
Wäre dies nicht der Fall könnte sich die Leitung auch hinter
Scheinwerfer und Tacho bewegen.
Da die Leitung hinter Scheinwerfer und Tacho eigentlich
keiner größeren Bewegung im Bezug zum übrigen an der Gabel
befestigten Material ausgesetzt wird, ist sie dort nicht
zusätzlich fixiert.
Halterung der Bremsleitung über dem Bremssattel
Der zweite und letzte Befestigungspunkt liegt nur
wenige Zentimeter über dem Bremssattel.
Ein Abknicken oder Umherschlagen der Leitung wird somit
unterbunden, es kommt zu keiner unnötigen Belastung der
Verschraubung am Bremssattel.
Wichtig bei der Montage ist es also, die Leitung sicher zu
fixieren. In allen möglichen Zuständen (Ein- und Ausfedern,
Lenkeinschläge) darf die Leitung nicht geknickt werden oder
unter Spannung geraten. Damit dies gewährleistet ist, habe
ich als Muster eine originale Leitung mitgschickt. Somit war
bei der Anfertigung gewährleistet, dass nicht nur die
Kröpfung der Anschlüsse stimmt, sondern insbesondere auch die
Länge der Leitung exakt übereinstimmt.
Für die sichere und beschädigungsfreie Befestigung werde ich
mir vor der Montage entsprechende Gummipuffer besorgen.
DeeplinkDas Teilegutachten
Beigefügtes Teilegutachten der Stahlflexleitung
Wie weiter oben bereits erwähnt, gab es bei meiner
ersten Suche keinerlei Angebot für Stahlflexleitungen mit
einer ABE für die YBR 125 ED Modell »RE03«.
Aus diesem Grund habe ich nach einiger Recherche bei einem
Anbieter mit sehr gutem Ruf die Leitungen mit einem
Teilegutachten berstellt.
Der Inhalt dieses Teilegutachten ist ein klein wenig
verschwommen (da ich es durch die Folie fotografiert habe)
mit der neuen Stahlflexleitung zu erkennen.
Manchmal wird in Foren beschwichtig, die Eintragung könne
»irgendwann einmal erfolgen«. Der Inhalt des Teilegutachtens
lässt dort jedoch keinen Spielraum zu: »Unverzügliche
Durchführung und Bestätigung der Änderungsabnahme« lautet die
Überschrift. Einfach formuliert: Sobald die Leitung verbaut
wurde, ist der Umbau dem TÜV/der Dekra vorzuführen und in die
Fahrzeugpapiere einzutragen.
Verzichtet man als Fahrzeughalter beziehungsweise
Fahrzeugführer darauf, bewegt man ein Fahrzeug ohne
Betriebserlaubnis. Dies kann unangenehme Folgen für den
Geldbeutel und den Führerschein nach sich ziehen. Daher:
Einbauen und die Abnahme umgehend durchführen lassen.
Kennzeichnung an der Stahlflexleitung
Ganz schlaue Personen werden sich nun denken »Aber
woher soll denn jemand wissen, ob die Leitung überhaupt jene
vom Teilegutachten ist oder der Polizist das in einer
Verkehrskontrolle sehen können?«. Nun, die Antwort ist ganz
einfach: Das Bauteil ist markiert.
Der Hersteller hat eine entsprechende Kennzeichnung auf der
Bremsleitung angebracht.
Auf dem Bild ist die Markierung unterhalb der Anschlüsse der
Bremsleitungen sehr gut zu erkennen. Da sich die Anschlüsse
bei der YBR 125 (wie auch bei anderen Maschinen) in der Regel
gut sichtbar am Fahrzeug befinden, ist eine Kontrolle der
Leitung beziehungsweise der darauf befindlichen Informationen
schnell und einfach möglich.
Kosten der Eintragung
Noch ist die Leitung nicht montiert. Sobald ich die
Bremsleitungen ausgetauscht habe, werde ich natürlich die
Eintragung in die Fahrzeugpapiere veranlassen und kann dann
im dazugehörigen Eintrag in meinem Blog darüber informieren
was ich zu bezahlen hatte.
DeeplinkDie französische Chinesin
brasilianischer Abstammung
Nachdem ich in einigen Foren für etwas Verwirrung
gesorgt habe, hier nun die Erklärung für meine Behauptung ich
hätte eine französische Chinesin brasilianischer Abstammung
daheim neben der Zimmertüre stehen.
Die Yamaha YBR 125 wurde für den südamerikanischen Markt
entwickelt und in den ersten Jahren (zumindest meinen
bisherigen Recherchen nach) nur in Südamerika, genauer gesagt
in Manaus in Brasilien gefertigt. Einige von diesen Maschinen
haben auch ihren Weg nach Europa gefunden.
2005 war die offizielle Markteinführung der YBR 125 für den
deutschen Markt. Die Modelle wurden in Chongquing in China
gefertigt, jedoch über MBK in Europa angeboten. MBK ist eine
französische Marke und wurde von Yamaha 1984
aufgekauft.
Ein kleiner Exkurs: Ursprünglich hieß MBK nämlich einmal
»Motobécane« (übersetzt also »Motordrahtesel«) und war unter
anderem als Fahrradmarke bekannt. Auf einem Drahtesel ohne
Motor von Motobécane bin ich Ende der 1980er auch schon mal
gesessen, aber das würde nun zu weit ausufern.
Zurück zu MBK. MBK ist somit eine Tochter von Yamaha und
heutzutage den meisten in Deutschland als Anbieter von
Rollern beziehungsweise »Scootern« bekannt. Wieso die ersten
YBR in Deutschland vorgeben, sie seien in Saint-Quentin in
Frankreich hergestellt worden, wird wohl erst einmal ein
Gehemnis bleiben. Ab 2006 wurde – zumindest meines Wissens –
der Herstellungsort in China, also Chongquing auf dem
Typenschild vermerkt.
Hier nun die Aufnahmen des Typenschilds am Rahmen (an der
Gabel) von meiner YBR 125 (mit zensierter
Seriennummer):
Typenschild Yamaha YBR 125 2005
MBK INDUSTRIE (France) statt China
Noch einmal zusammengefasst: Ursprünglich in Brasilien
produziert, also »brasilianischer Abstammung«. Der
eigentliche Produktionsort lag mutmaßlich in China, daher
»Chinesin«. Und abschließend ihr »europäischer Ausweis«: Sie
kommt aus Frankreich.
Also: Meine französische Chinesin brasilianischer Abstammung,
welche ihren Winterschlaf gerade neben meiner Zimmertüre
verbringen darf.